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   Saubere HändeWo passiert was? AUA - Ausserparlamentarischer BürgeruntersuchungssausschussFall Berlakovich 2010-11-22 Mail an Min. Berlakovich
Druckansicht generelle Unschuldsvermutung

Von: Bernhard Lassy [mailto:praesident@saubere-haende.org]
Gesendet: Montag, 22. November 2010 00:48
An: '"Sekretariat Bundesminister Berlakovich - Frau Karin Marek"<karin.marek@lebensministerium.at>'; '"Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit DI Martin Burjan - Sekretariat Isolde Ebner"<isolde.ebner@lebensministerium.at>'; 'RedakteurInnen Profil'
Cc: 'Bioimker Johannes Gruber'; 'office@werberat.at'; 'dialogbuero@gruene.at'
Betreff: Profil Nr. 46 - 2010 / Seite 78-79 - Genussregion Österreich - AMA-Gütesiegel ein Etikettenschwindel?

 

Sehr geehrter Herr Minister Berlakovich, sehr geehrte RedakteurInnen des Profils.

 

Ich bin etwas überrascht über die Aufmachung einer Werbung die als Interview im Profil zwischen seriös recherchierten Artikeln und echten Interviews abgedruckt wird. Mir fehlt die deutliche leicht erkennbare Kennzeichnung als Werbung, der kleine Andruck links in senkrechter Form kann bei einem 2-Seitigem "Experteninterview" wohl nicht ernsthaft als deutliche Kennzeichnung gesehen werden, oder?

 

Inhaltlich ist das Interview streckenweise durchaus informativ, aber es zeigt sich auch genau, dass es bezahlte Werbung ist wenn man die Aufgaben der AMA kennt. Mich stört die Positionierung der AMA in dem Artikel besonders, da diese immer wieder in höchsten Tönen gelobt wird und man den falschen Eindruck gewinnen könnte, das das oberste Ziel der AMA sei die Zufriedenheit der Kunden.

 

Die Wirklichkeit ist aber eine ganz andere  (   Geschäftsordnung www.ama.at/Portal.Node/ama/public ):

·         Die AMA ist eine juristische Person öffentlichen Rechtes und stellt die Zusammenfassung des Milchwirtschaftsfonds, des Getreidefonds, des Mühlenfonds, der Vieh- und Fleischkommission dar   -   von Konsumenten ist da weit und breit nichts zu sehen

·         Die AMA ist genau besehen eine Organisation die den Agrarproduzenten als Vertriebsorganisation bzw. -unterstützung dient, bei der nicht die Kunden an erster Stelle stehen sondern das Wohlergehen der Mitglieder. Man kann das an der Reihenfolge der Aufgaben, die auf Seite 3 der Geschäftsordnung beschrieben sind, erkennen. Der Zweck der AMA lässt sich noch besser auf Seite 11 der Geschäftsordnung erkennen - "Beitragszweck":

 

1.       zur Förderung und Sicherung des Absatzes von land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen und daraus hergestellten Erzeugnissen

2.       zur Erschließung und Pflege von Märkten für diese Erzeugnisse im In- und Ausland

3.       zur Verbesserung des Vertriebs dieser Erzeugnisse

4.       zur Förderung von allgemeinen Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung und -sicherung bezüglich dieser Erzeugnisse (insbesondere der entsprechenden landwirtschaftlichen Erzeugnisse) sowie zur Vermittlung von für die Verbraucher relevanten Informationen hinsichtlich Qualität, Aspekte des  Verbraucherschutzes und des Wohlergehens der Tiere sowie sonstiger Produkteigenschaften dieser Erzeugnisse

Daher lässt sich schon aus der Geschäftsordnung ableiten, dass die Kunden nicht an erster Stelle stehen sondern die Produzenten. Wie das dann in der Praxis gelebt wird konnte man besonders gut März 2008 erkennen, als massiv Plantomycin (=Antibiotika, auch eingesetzt in der Humanmedizin gegen Tuberkulose) in großen Mengen in der Natur gegen Feuerbrand eingesetzt werden sollte. Es ist unter anderem dem aufmerksamen und besorgten Bio-Imker Johannes Gruber zu verdanken, dass die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam gemacht wurde. Die Imker und insbesondere die Bioimker haben durch die Kontamination des Honigs und der Bienen massive Verluste bzw. im Extremfall sogar mit dem Verlust der Erwerbsgrundlage zu rechnen. Was Humanmediziner vom Einsatz der Antibiotika für solche Zweck halten ist hinlänglich bekannt.

 

http://steiermark.orf.at/stories/262658/    

http://madagaskar-blog.malala-madagascar.net/2009/05/feuerbrand-im-obstbau-am-apfelbaum-lieber-bio-logisch-gesund-bio-hefe-ist-besser-als-streptomycin/

http://www.stvp.at/cgi-bin/stvp/_Standardseite.cgi?index=53055&node=10318&subnode=8505

http://www.global2000.at/site/de/wissen/lebensmittel/Umfrage-Antibitoika-Obst/

http://www.oe24.at/wirtschaft/AMA-Siegel-nur-fuer-rueckstandsfreie-Aepfel/290010

http://www.news.at/articles/0816/30/203380/ama-guetesiegel-aepfel-rueckstandskontrolle-qualitaet

 

Die Reaktion der AMA war hoch interessant. Der Handel wollte auf Druck des Kunden nur unbehandeltes Obst an die Konsumenten verkaufen. Das AMA-Gütesiegel hätte das theoretisch absichern sollen. Nur was hat die AMA getan?. Begründet durch den Druck der Mitglieder hat man hat mit Antibiotika behandelte Äpfel mit dem AMA-Gütezeichen versehen. Wenn die Kunden erst an 4. Stelle der Prioritäten gereiht sind ist das natürlich nicht verwunderlich. Mag. Hackl gab das 2008 sogar noch zu, dass man die Interessen der Kunden den Interessen der Produzenten und des Handels nachreiht und daher keine klare Stellung im Sinne der Kunden gegen die großflächige Ausbringung von Antibiotika bezieht.  Das AMA-Gütesiegel ist meiner Meinung nach Etikettenschwindel wenn man behauptet damit ein klares Qualitätsmerkmal anzubieten bei dem Kundeninteressen an oberster Stelle stehen.

 

Von: "Hermine Hackl" <Hermine.Hackl@ama.gv.at>

Gesendet: 14.04.08 09:48:36

An: "Bernhard Lassy"

Antw: Re: geplanter Einsatz von Plantomycin zum Schutz von Apfelplantagen in der Steiermark

Sehr geehrter Herr Lassy!

Für uns, die AMA Marketing, war eigentlich immer klar, dass wir den Einsatz von Antibiotikas im Feuerbrandfall verbieten würden, weil die AMA-Gütesiegelrichtlinien den Einsatz einfach immer schon verboten haben (außer im Krankheitsfall bei Tieren und da auch nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen).  

Die Gütesiegelkriterien - auch für Veränderungen z.B. im Fall von Gefahr im Verzug - werden nicht von uns festgelegt, sondern gemeinschaftlich von den diversen Markt- und Handelspartnern. Ein Abstimmungsgespräch mit den Handelsketten im Bezug auf den Feuerbrand  findet aber erst heute Montag statt. Es wäre also überaus undiplomatisch gewesen und hätte als Bevormundung ausgelegt werden können, selbigen über die Medien vorab eine Fixentscheidung ausrichten zu lassen, was uns eben auch nicht zustünde. Deshalb die eher vorsichtige Formulierung in dem von Ihnen angesprochenen Artikel. Da aber mittlerweile auch der Handel signalisiert hat, dass er mit dem kommunizierten möglichen Lösungsvorschlag einverstanden sein wird, steht voraussichtlich der angedachten Lösung nichts mehr im Wege.

Mit besten Grüßen

Hermine Hackl

 

Mag. Hermine HACKL
Leiterin Unternehmenskommunikation
Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH.

 

Sehr geehrter Herr Minister Berlakovich und vor allem sehr geehrte Redakteure, es ist unverantwortlich wenn Werbeeinschaltungen als Interview "getarnt" in einer Zeitschrift wie dem Profil zwischen echten Artikeln in dieser Form abgedruckt werden. Mir ist erst bei der Suche nach dem Experten bzw. Interviewer aufgefallen, dass es sich um eine Werbeeinschaltung handelt.

 

Das AMA-Siegel als Gütesiegel, das im höchsten Maße dem Konsumenten nützen soll ist ein bedenklicher Etikettenschwindel, denn es dient in erster Linie den Zielen der Produzenten, und nur wenn diese auch den Kundeninteressen entsprechen, dann dient es auch dem Kunden. Notfalls haben die Interessen der Mitglieder Vorrang vor den Interessen der Kunden wie die Praxis zeigt.

 

mit freundlichen Grüßen

Bernhard Lassy

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Ing. Bernhard Lassy, MSc.(OU)

 

Präsident    -    Saubere Hände - Verein zur Bekämpfung von Amtsmissbrauch  www.saubere-haende.org

praesident@saubere-haende.org 

Mitglied des Verbandes deutscher Pressejournalisten

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